{"id":2243,"date":"2026-07-02T06:36:17","date_gmt":"2026-07-02T04:36:17","guid":{"rendered":"https:\/\/neues-mitteldeutschland.de\/?p=2243"},"modified":"2026-07-02T06:36:17","modified_gmt":"2026-07-02T04:36:17","slug":"objekt-des-monats-vase-steinzeug-freigedreht-um-1940","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neues-mitteldeutschland.de\/index.php\/2026\/07\/02\/objekt-des-monats-vase-steinzeug-freigedreht-um-1940\/","title":{"rendered":"Objekt des Monats: Vase, Steinzeug, freigedreht, um 1940"},"content":{"rendered":"<p>Objekt des Monats: Vase, Steinzeug, freigedreht, um 1940<\/p>\n<p>Die Vase aus der Keramischen Werkstatt Otto Lindig folgt dem klassischen Formenvokabular und l\u00e4sst Bez\u00fcge zur traditionellen th\u00fcringischen Keramik erkennen.<\/p>\n<p>Im unteren Bereich stark verj\u00fcngt \u00f6ffnet sich \u00fcber einem aufgew\u00f6lbtem Standring nach oben konisch die auf der Scheibe gedrehte runde Form zu einem Oval. Der Vasenhals mit weiter \u00d6ffnung und schmaler Schulter schlie\u00dft mit dem f\u00fcr Th\u00fcringen typisch auskragenden Rand ab.<\/p>\n<p>Die Herstellung und den Brand der Glasur besorgte Otto Lindig (1895-1966) selbst. Dabei galt er als experimentierfreudig bei der Wahl der Zus\u00e4tze bis zu der der Verwendung von Mehrschichtglasuren. Teilweise \u201aaquarellartige Verl\u00e4ufe\u2018 (Jakobson) bestimmen das optische Erscheinungsbild des Gef\u00e4\u00dfes. Otto Lindig erinnerte sich: \u201aDie stets wiederkehrende, immer wieder neue Spannung vor dem zu \u00f6ffnenden Ofen gilt doch vor allem dem Glasurausfall\u2018. Die haptische Wirkung der \u00dcberlaufglasur wird noch durch die krater\u00e4hnlichen geplatzten Blasen im Mittelteil der Vase gesteigert.<\/p>\n<p>Die Werkstatt Krehan produzierte seit dem 19. Jahrhundert in Dornburg an der Saale T\u00f6pferwaren f\u00fcr den Hausgebrauch und z\u00e4hlte zu den letzten Familienbetrieben seiner Art, als das Staatliche Bauhaus in Weimar beschloss, Max Krehan (1875-1925) als Werkmeister einzustellen und die Keramische Werkstatt nach Dornburg zu verlegen. Otto Lindig trat unter dem Formmeister Gerhard Marcks (1889-1981) als Geselle ein und \u00fcbernahm die Leitung 1926, als die Werkstatt vom Nachfolger des Bauhauses, der Staatlichen Hochschule f\u00fcr Handwerk und Baukunst Weimar \u00fcbernommen wurde. 1930 \u00fcbernahm er die T\u00f6pferei als P\u00e4chter. Liebfriede Bernstiel arbeitete seit 1939 in Dornburg bis zur Aufgabe des Betriebs 1946.<\/p>\n<p>Diese seltene Vase aus den sp\u00e4teren Jahren der T\u00f6pferei erg\u00e4nzt den Bestand an Bauhauskeramik aus dem Bestand des Museums f\u00fcr Angewandte Kunst. Sie steht f\u00fcr die Aufnahme von Traditionen einer alten Handwerkskunst wie f\u00fcr das Experiment \u2013 in diesem Fall, der Glasur neue Effekte zu entlocken.<\/p>\n<p>Sie konnte von Robert Z\u00fcblin aus Z\u00fcrich erworben werden und stammt aus der Bauhaus-Sammlung von Frank M\u00fcser. Wir danken dem Entgegenkommen des H\u00e4ndlers sowie f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des Ankaufs durch Mirko Albrecht vom F\u00f6rderverein des Museums. Die Ankaufsmittel wurden von der Stadt Gera zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>[Text: Dirk Hoffmann]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Objekt des Monats: Vase, Steinzeug, freigedreht, um 1940 Die Vase aus der Keramischen Werkstatt Otto Lindig folgt dem klassischen Formenvokabular und l\u00e4sst Bez\u00fcge zur traditionellen th\u00fcringischen Keramik erkennen. 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