„ERINNERUNGEN SICHTBAR MACHEN“
„ERINNERUNGEN SICHTBAR MACHEN“
Deutsch-tschechische Schülerausstellung erzählt jüdische Lebensgeschichten aus Zwickau und Jablonec nad Nisou
Seit Juni ist in den Priesterhäusern Zwickau die Sonderausstellung „ERINNERNS_WERT. Jüdische Spuren in Zwickau“ zu sehen. Ergänzend werden ab Mittwoch, dem 15. Juli im Rathaus (Foyer 1. OG) die Ergebnisse eines besonderen deutsch-tschechischen Projekts präsentiert: Schüler aus Zwickau und der Partnerstadt Jablonec nad Nisou haben sich auf Spurensuche begeben und jüdische Lebensgeschichten aus ihren jeweiligen Städten erforscht. Die zweisprachige Ausstellung (Deutsch/Tschechisch) macht persönliche Erinnerungen sichtbar und zeigt, wie junge Menschen Verantwortung für die Geschichte übernehmen.
Zwickau erzählt viele Geschichten – manche sind präsent, andere nahezu verstummt. „ERINNERNS_WERT. Jüdische Spuren in Zwickau“ in den Priesterhäusern richtet den Blick auf jüdisches Leben, das über Jahrhunderte Teil der Stadtgeschichte war. Sie macht sichtbar, was geblieben ist, aber auch, welche Spuren durch Verfolgung, Vertreibung und die Shoah verloren gingen.
Einen besonderen Zugang zur Geschichte eröffnet dabei das Projekt „Forgotten Tracks“, das Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums gemeinsam mit ihrer Lehrerin Dorit Seichter entwickelt haben. Ausgehend von privaten Fotografien, die Überlebende der Shoah oder deren Nachfahren zur Verfügung stellten, erforschten die Jugendlichen die Biografien jüdischer Zwickauerinnen und Zwickauer.
Mit großer Sorgfalt näherten sie sich den Bildern und suchten nach den Menschen hinter den Aufnahmen: Wer waren diese Personen? Wie lebten sie? Welche Beziehungen und Spuren hinterließen sie in Zwickau? Die Fotografien erzählen von Alltag, Familie und persönlichen Momenten – von einem Leben, das einst selbstverständlich war und durch Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt zerstört wurde. Zugleich machen sie deutlich, wie nah uns diese Menschen trotz der zeitlichen Distanz bleiben.
Spurensuche auch in Jablonec n.N.
Ausgehend von diesem Projekt initiierte das Museum Priesterhäuser eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Zwickauer Partnerstadt Jablonec. Auch dort begaben sich Schüler auf Spurensuche: Die Jugendlichen der 9. Klasse der Liberecká-Schule erforschten unter der Leitung von Mgr. Petra Endlerová die Lebensgeschichten jüdischer Familien ihrer Stadt.
Vor dem Zweiten Weltkrieg verfügte Jablonec nad Nisou über eine bedeutende jüdische Gemeinde, deren Leben durch die Shoah ausgelöscht wurde. Die Synagoge wurde zerstört, viele persönliche Erinnerungen gingen verloren. Dennoch sind die Spuren jüdischer Familien bis heute sichtbar: Häuser, Orte und Wege erzählen weiterhin von den Menschen, die einst Teil der Stadtgesellschaft waren. Mithilfe historischer Dokumente, Personenstandsregister und zeitgenössischer Zeitungen rekonstruierten die Schüler einzelne Biografien und fügten die Lebensgeschichten wie ein Mosaik zusammen. Gemeinsam mit den Arbeiten aus Zwickau entstand daraus eine zweisprachige Wanderausstellung, die in beiden Städten gezeigt wird.
„Die Idee, das Zwickauer Projekt gemeinsam mit unserer Partnerstadt Jablonec nad Nisou weiterzuentwickeln, ging von unserem Museum aus. Uns war wichtig, junge Menschen beider Städte miteinander ins Gespräch zu bringen und zu zeigen, dass Erinnerungskultur keine Grenzen kennt. Die Ausstellung macht deutlich, wie historische Forschung, persönliche Begegnungen und internationales Miteinander ein lebendiges Erinnern ermöglichen“, erklärt die kommissarische Museumsleiterin Nadine Holesch.
Die Präsentation im Zwickauer Rathaus, die bis 14. August zu sehen ist, ergänzt die Sonderausstellung „ERINNERNS_WERT“ um eine junge Perspektive auf jüdische Geschichte. Sie verbindet historische Forschung mit persönlichem Engagement und lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Erinnerung weiterzugeben und die Geschichten der Menschen sichtbar zu machen.


