Sieg der Moderaten: António José Seguro gewinnt Präsidentschaftswahl in Portugal

LISSABON – Die Entscheidung im Rennen um das höchste Staatsamt Portugals ist gefallen. In der Stichwahl am vergangenen Sonntag setzte sich der moderate Sozialist António José Seguro (63) deutlich gegen seinen rechtspopulistischen Herausforderer André Ventura durch. Mit rund 66,8 Prozent der Stimmen tritt Seguro die Nachfolge des langjährigen Amtsinhabers Marcelo Rebelo de Sousa an, der nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren durfte.
„Ein Sieg für die Demokratie“

„Ein Sieg für die Demokratie“
-Seguro

In seiner Siegesrede vor begeisterten Anhängern in Lissabon gab sich Seguro staatsmännisch und versöhnlich. „Die Gewinner dieses Abends sind die Portugiesen und die Demokratie“, erklärte der künftige Präsident. Seguro, der im Wahlkampf als ruhiger und seriöser Vermittler auftrat, betonte erneut seine Rolle als „Garant der Verfassung“. Er gilt als überzeugter Europäer und will sein Amt primär als moderierende Instanz zwischen den politischen Lagern führen.
Warnsignal trotz klarer Niederlage

Sein Kontrahent André Ventura, Chef der rechtspopulistischen Partei Chega, kam auf rund 33,2 Prozent der Stimmen. Obwohl der 43-Jährige, der im Wahlkampf vor allem mit einer harten Rhetorik gegen Immigranten polarisierte, deutlich unterlegen war, werteten Beobachter sein Ergebnis als Alarmsignal. Noch nie zuvor konnte ein rechtspopulistischer Kandidat bei einer Präsidentschaftswahl in Portugal ein Drittel der Stimmen auf sich vereinen. Ventura räumte seine Niederlage ein, kündigte jedoch an, seine Partei werde die politische Landschaft Portugals weiter massiv verändern.
Historische Premiere

Diese elfte Präsidentschaftswahl seit der Nelkenrevolution von 1974 markiert einen historischen Wendepunkt: Es war erst das zweite Mal in der Geschichte der portugiesischen Demokratie (nach 1986), dass eine Stichwahl notwendig wurde, um das Staatsoberhaupt zu bestimmen.

Die offizielle Amtsübergabe im Palácio de Belém ist für den 9. März 2026 geplant.

Hintergrund: Der Präsident Portugals hat zwar primär repräsentative Aufgaben, verfügt jedoch über das Recht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen – eine Machtbefugnis, die besonders in politisch instabilen Zeiten von großer Bedeutung ist.