Was Dresden zum Schutz gegen heiße Tage tut

Hitzekarten, Aktionsplan und Kühle-Orte-Kampagne stärken Schutz der Bevölkerung vor Extremhitze

Die Sommer werden heißer, die Zahl der Hitzetage steigt – und damit auch die Belastung für Gesundheit und Lebensqualität. Die Landeshauptstadt Dresden reagiert auf diese Entwicklung mit neuen digitalen Hitzekarten, einem umfassenden Hitzeaktionsplan und einer Beteiligungskampagne für sogenannte „Kühle Orte“. Ziel ist es, die Bevölkerung besser über Hitzebelastungen zu informieren und den Schutz besonders gefährdeter Menschen zu verbessern.
Neue Hitzekarten zeigen Belastung im Stadtgebiet

In einer Stadt wirken sich Bebauung, Flächenversiegelung, ein geringer Grünanteil und Emissionen auf Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit aus, sodass sich ein spezifisches Klima – das Stadtklima – einstellt. Für dieses sind höhere Temperaturen charakteristisch, eine allgemein niedrigere Luftfeuchtigkeit sowie eine reduzierte Windgeschwindigkeit im Vergleich zum unbebauten Umland.

„Im Zuge der rasch voranschreitenden Klimaveränderungen mit steigenden Temperaturen werden sich der Hitze- und der Wärmeinseleffekt in den Städten weiter verschärfen.“
Umweltamtsleiter René Herold

Gemeinsam haben das Amt für Gesundheit und Prävention sowie das Umweltamt neue Karten im Themenstadtplan veröffentlicht. Herzstück ist eine Karte zur gefühlten Temperatur, die die Wärmebelastung an einem heißen Sommertag (Tageshöchsttemperatur erreicht oder übersteigt 30 Grad Celsius) realitätsnah darstellt. Neben der Lufttemperatur fließen dabei auch Luftfeuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung und der Wärmehaushalt des Menschen in die Bewertung ein.

Die Modellierungen zeigen deutlich: Besonders stark belastet sind stark versiegelte und schattenarme Bereiche wie der Altmarkt oder der Neumarkt. Bürgerinnen und Bürger können so nachvollziehen, an welchen Orten es zu höherer Wärmebelastung und Hitzestress kommt und welche Orte dagegen trotz großer Hitze immer noch angenehm sind, wie z. B. schattige Bereiche im Großen Garten.

Im Themenstadtplan sind außerdem Karten zur Lufttemperaturverteilung am Abend (23 Uhr) und am frühen Morgen (5 Uhr) zu finden. Diese Karten zeigen, wie sich die tagsüber aufgewärmte Stadt am Abend und im Laufe der Nacht abkühlt. Erstellt wurden alle Modellierungen mit dem hoch- und gebäudeauflösenden 3D-Stadtklimamodell PALM (Parallelized Large-Eddy Simulation Model) durch das Ingenieurbüro Lohmeyer GmbH.
Hitzeaktionsplan bündelt Schutzmaßnahmen

Da Hitze zunehmend ein Problem für die Gesundheit und Lebensqualität darstellt, hat sich das Amt für Gesundheit und Prävention aufgemacht, einen Hitzeaktionsplan für Dresden zu erarbeiten. Denn: Gab es zwischen 1991 und 2020 noch knapp zehn heiße Tage im Durchschnitt, sind es in den vergangenen zehn Jahren schon 15 heiße Tage.

Der Plan umfasst rund 30 Maßnahmen in acht Handlungsfeldern. Dazu gehören Hitzewarnungen im öffentlichen Raum, Informationskampagnen, ein Sommernothilfeplan für wohnungslose Menschen, Unterstützungsangebote für Schulen und Kindertageseinrichtungen, ein Hitzeschutzkonzept für das Städtische Klinikum sowie der Ausbau kostenloser öffentlicher Trinkwasserangebote.

„Die zunehmende Sommerhitze wirkt sich bereits heute auf die Gesundheit der Dresdner Bevölkerung aus. Umso wichtiger ist ein entschlossenes und gemeinsames Handeln im Gesundheitsschutz. Mit dem Hitzeaktionsplan setzen wir als Gesundheitsamt am heutigen Hitzeaktionstag ein klares Zeichen. Gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern werden wir in Dresden künftig Prävention, Aufklärung und konkrete Unterstützungsangebote vor Ort weiter ausbauen, damit die Menschen in unserer Stadt gut und sicher durch die Sommermonate kommen.“
Dr. Kristina Böhm, Leiterin des Amtes für Gesundheit und Prävention

Hitze ist für jede und jeden belastend – besonders aber für die 125 500 älteren Dresdnerinnen und Dresdner über 65 Jahre (Stand 2025), für Menschen mit chronischen Leiden wie beispielsweise Herz-Kreislauf-, neurologische oder Atemwegs-Erkrankungen. Schwer erträglich sind hohe Temperaturen aber auch für die etwa 1600 wohnungs- und obdachlosen Menschen (Stand 2025), Schwangere und Säuglinge. Laut der letzten Kommunalen Bürgerumfrage fühlt sich etwa jede bzw. jeder fünfte Befragte durch Hitze stark oder sehr stark beeinträchtigt. Tendenz steigend. Außerdem zeigen bundesweite Untersuchungen des Robert Koch-Instituts, dass in den Jahren mit intensiven Hitzeperioden die Sterblichkeit ansteigt. Das ist auch in Dresden so: Auswertungen des Gesundheitsamtes mit der Professur für Öffentliche Gesundheit zeigen vermehrte Rettungseinsätze bei hohen Temperaturen – ab etwa 30 Grad Celsius waren es fünfzig mehr pro Tag.
Der Hitzeaktionsplan wird nun in den politischen Gremien beraten und soll am 24. September 2026 dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden.
Wer kennt „Kühle Orte“?

Vom 11. Juni bis 2. Juli 2026 ruft die Landeshauptstadt dazu auf, Orte zu melden, die an heißen Tagen Abkühlung und Erholung bieten. Dazu zählen schattige Parks, Spielplätze, Friedhöfe, Museen, Kirchen, Einkaufszentren oder klimatisierte Bibliotheken. Über die Internetseite www.dresden.de/kuehle-orte können bestehende Vorschläge bewertet und neue Orte eingetragen werden. Auch eine analoge Beteiligung über Stadtteilkarten in den Stadtteil-Bibliotheken Gorbitz, Prohlis und Plauen, in der Zentralbibliothek, im Kulturrathaus auf der Königstraße und im Theaterhaus „Rudi“ ist möglich.

Aus den Beiträgen entsteht eine öffentliche Kühle-Orte-Karte, die den Dresdnerinnen und Dresdnern künftig bei der Suche nach angenehmen Aufenthaltsorten an heißen Tagen helfen soll. Die Aktion wird durch die Agentur GreenAdapt (Gesellschaft für Klimaanpassung mbH) fachlich unterstützt und durch das europäische Projekt Time2Adapt finanziert.
Neues Kinderheft erklärt Hitzeschutz

Passend zum Thema ist das Kinderheftchen „Pauli und die Affenhitze“ mit Illustrationen von Anemone Kloos erschienen. Möglich wurde das durch die finanzielle Unterstützung der Landesvertretung der DAK-Gesundheit. In einer Auflage von 30.000 Exemplaren vermittelt es Kindern auf anschauliche Weise, wie sie sich bei hohen Temperaturen schützen können. Themen sind ausreichend Trinken, Bewegung im Schatten, geeignete Kleidung und das Erkennen von Warnsignalen des Körpers. Das Heftchen wird im Rahmen von Hitzeprojekten in Grundschulen und Kitas verteilt und ist online unter www.dresden.de/hitze abrufbar.

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